Ratgeber · Lesezeit 6 Min

Internet-Drosselung erkennen: Wie du es beweist und stoppst

Wenn dein Internet abends regelmäßig auf 30% einbricht, kann es Drosselung sein — oder einfach Überlastung. Hier ist der Unterschied — und wie du Drosselung gerichtsfest nachweist.

1. Was Drosselung wirklich ist

Drosselung ist eine bewusste Reduzierung deiner Bandbreite durch den Anbieter — meist nach Erreichen eines Datenvolumens (bei Mobilfunk) oder zur Netzlastregulierung (bei Festnetz). Bei DSL/Glasfaser ist Drosselung in Deutschland selten ein vertraglich vorgesehenes Feature. Wenn deine Werte abends einbrechen, ist es meist Netzüberlastung (Shared Medium bei Kabel, Stoßzeiten bei DSL) — nicht aktiv Drosselung.

2. So unterscheidest du Drosselung von Überlastung

Drosselung: konstant niedrige Geschwindigkeit, unabhängig von Tageszeit. Oft Stufen (genau 16 Mbit/s, dann 1 Mbit/s). Beispiel: Telekom MagentaMobil nach 60 GB Datenvolumen. Überlastung: tagsüber volle Geschwindigkeit, abends bricht es ein, nachts wieder voll. Beispiel: Vodafone Kabel 19-23 Uhr.

3. Test mit speedtest.net + verschiedenen Servern

Wenn dein Anbieter selektiv drosselt (z.B. Netflix-Traffic, aber nicht Standard-HTTP), siehst du das so: Speedtest auf Cloudflare-Server: gut. Speedtest auf Server in deinem Land: gut. Aber Netflix lädt nicht? Dann drosselt der Anbieter aktiv den Streaming-Traffic. Tools: fast.com (von Netflix selbst) misst zu Netflix-Servern. Wenn fast.com viel langsamer ist als unser Speedtest, hast du Netflix-Drosselung.

4. Netzneutralität — was erlaubt ist

Seit der EU-Netzneutralitäts-Verordnung 2015 ist Diskriminierung von Internet-Traffic verboten. Anbieter dürfen keinen Dienst (Netflix, YouTube, Twitch) langsamer machen als andere. Ausnahmen: "Zero Rating" (StreamOn von Telekom, Vodafone Pass) waren bis 2022 erlaubt, sind jetzt aber verboten. Wenn du Diskriminierung beobachtest: direkt bei der Bundesnetzagentur melden (siehe Ratgeber BNetzA-Beschwerde).

5. Drosselung beweisen — die offizielle Methode

Mit dem BNetzA-Desktop-Tool kannst du über 30 Tage protokollieren. Es zeigt: Vertragsgeschwindigkeit, gemessene Geschwindigkeit, Tageszeit. Wenn du dauerhaft unter 50% der Vertragswerte liegst → das ist ein gerichtsverwertbares Protokoll. Komplette Anleitung in unserem TKG-Ratgeber.

6. Mobile Daten — andere Regeln

Bei Mobilfunk-Verträgen (Telekom MagentaMobil, Vodafone Red, O2 Free) ist Drosselung nach Datenvolumen vertraglich vereinbart. "Unlimited" Tarife haben oft kleingedruckt eine Fair-Use-Klausel (z.B. 100 GB/Monat). Dann kannst du nichts machen — außer Tarif wechseln oder DataPass nachkaufen. Wichtig: seit 2022 muss bei Wegfall der unlimited-Werbung deutlich darauf hingewiesen werden.

7. Was du tun kannst

Bei echter Drosselung im Festnetz: Beschwerde bei BNetzA. Bei vertraglicher Mobilfunk-Drosselung: Tarif-Wechsel auf höheres Datenvolumen. Bei Streaming-Drosselung: VPN nutzen (aber: macht oft alles langsamer) oder Anbieter wechseln.

💡

Tipp: Wenn dein Internet abends einbricht, ist es zu 80% Vodafone Kabel oder ein anderer Kabel-Anbieter — Shared Medium, nicht Drosselung. Vermutlich nur DSL/Glasfaser-Wechsel hilft langfristig.

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